Manchmal 2

Manchmal erscheint es mir nicht sonderlich sinnvoll, Sätze hierher zu schleppen. Sollen sie woanders sein oder gar nicht. Wer braucht Sätze? Ich muß das nicht machen. Manchmal habe ich auch gar keine Ideen und sauge mir etwas aus den Fingern, so wie sie beim Blutspenden einen Tropfen aus der Fingerkuppe melken, um die Blutgruppe zu bestimmen (meine Blutgruppe gibt es gar nicht, habe ich den Eindruck). Manchmal bin ich erschöpft vom vielen Wörtersammeln und -zusammenstellen. Andererseits ist Erschöpfung nichts Besonderes, sie ereilt mich bei jeder meiner Tätigkeiten und Aufgaben. Vielleicht empfinde ich zu lebhaft, vielleicht sollte ich mich – wie ich einmal las – um mehr Objektivität bemühen. Manchmal wünsche ich mir, ich käme in ein Sanatorium für versehrte Lebenskünstler, um auszuruhen von den Strapazen des Fühlens und Denkens. Manchmal denke ich, ich hätte mich besser abhärten sollen gegen das, was zu hören und zu sehen ist. Und dann ist da stets diese Atmosphäre, die mir zu schaffen macht. Das ist die Luft zwischen den Menschen und Dingen, sie ist aufgeladen mit Information und dringt in den Körper, versetzt ihn so sehr in Spannung, daß er vibriert. Ich weiß, all dies klingt eitel oder als wolle ich mich hervorheben. Eben deshalb ist es besonders schwierig, zu schreiben. Alles kann jederzeit gegen mich verwendet werden. Ich schreibe die Sätze, die mich verletzen. Das ist in etwa das Problem, nicht nur manchmal, sondern oft.


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Manchmal 2

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