Die Abschaffung des Menschen 2

Über die „Abschaffung des Menschen“, die eigentlich eine Selbstabschaffung ist, habe ich viel nachgedacht. Bis vor drei Jahren glaubte ich sogar, die Formel stamme von mir – dann stieß ich auf Clive Staples Lewis‘ Vorlesungsband The Abolitian of Man, erstmals 1943 erschienen (ich las es in deutscher Übersetzung). Es endet mit dem Satz: „Wer alles durchschaut, sieht nichts mehr.“ In der letzten der drei Vorlesungen auch dies:

„Wir reduzieren die Dinge auf ‚bloße Natur‘, damit wir sie erobern können. […] Der Preis für die Eroberung besteht darin, etwas als bloße Natur zu behandeln. Jeder Sieg über die Natur erweitert ihren Bereich. Die Sterne werden erst Natur, wenn wir sie wägen und messen können; die Seele wird erst Natur, wenn wir sie psychoanalysieren können. Der Natur Machtbereiche entreißen heißt, ihr gleichzeitig andere ausliefern. Solange dieser Prozeß kurz vor dem letzten Stadium haltmacht, können wir noch der Meinung sein, der Gewinn überwiege den Verlust. Sobald wir aber den letzten Schritt tun und unsere eigene Gattung auf die Stufe der bloßen Natur herabsetzen, wird der ganze Vorgang widersinnig: denn diesmal ist das Wesen, das daraus Gewinn ziehen sollte, und jenes, das geopfert wird, ein und dasselbe.“ (C. S. Lewis, Die Abschaffung des Menschen, Freiburg i. Br. 2007, 7. Auflage, S. 73)

 


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Die Abschaffung des Menschen 2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert