Vor einigen Jahren hingen aus Anlaß einer gut dotierten Kunstausstellung in Berlin zahlreiche Großplakate mit Aussagen berühmter Künstler herum, so auch in der Untergrundstation meines nahezu täglichen Reisens an mehr oder weniger schöne oder wichtige Orte des täglichen Daseins. Eines Tages schrie ich auf vor Vergnügen, denn ich las tatsächlich: ES GIBT KEINE LÖSUNG. Darunter stand, in geringfügig kleineren Lettern: WEIL ES KEIN PROBLEM GIBT. Darunter stand, in deutlich kleineren Lettern, der Name dessen, der das gesagt haben soll: Marcel Duchamp. – Ich habe mit ihm nichts zu tun, ich weiß so gut wie nichts über ihn, ich darf nichts von mir geben, was über diesen einen Satz von ihm hinausgeht. Doch dies möchte ich sagen: Als ich das las, unterstellte ich auf der Stelle, daß jemand für einen kurzen Augenblick belichtet genug war, um aus der blöden Misere unseres menschlichen Opferseins und Behandeltwerdens auszutreten und die Sache selbst in die Hand zu nehmen: Betrachtung wie Bewertung. Heute, etliche Jahre weiter, weiß ich, daß manche Leute, nicht nur in meinem Umfeld, gleich die Lösung möchten, am liebsten sofort, noch bevor sie wissen, was das Problem ist. Es soll ein Problem besser gar nicht erst geben. Nur auf die entsprechende Höhe möchten sie nicht, doch sie ist der Preis.
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