Standard und Norm

Würde man wirklich wissen, was ein einzelner Mensch ist, dürfte man ihn nicht verallgemeinern. Es sind die Standardisierungen, die uns zu schaffen machen. Um sich gegriffen hat der Terror der Durchschnittswerte. Es wird Maß genommen an allem, was Körper ist oder anders meßbar, sogar das Verhalten, siehe die Psychologie. Im Mutterleib bereits rücken sie dem Leben zu Leibe, es gibt keine Ruhe, bis der Tod einzieht wie ein erster und letzter Frieden. Das Überwachen produziert Daten, die ausgewertet werden müssen. Das beschäftigt Menschen, sie bekommen dafür Geld. Ein Glaubenssystem wurde errichtet, es beruht auf Daten. Aber Daten sind leer wie Fakten, man muß sie füllen, ihnen Bedeutung beimessen. Umgekehrt folgt daraus, daß sie an sich keine Bedeutung haben. Bedeutung ist ein Arrangement, eine Verabredung jener, die sich interessieren und interessiert haben. Was „gesund“ ist, wissen wir nicht, wir suchen nur nach dem Wortstamm. Stammelt ein Kind, vermuten wir, es sei artikulationsgestört. In Wahrheit mag es heilig sein – wir würden es mit Sicherheit nicht bemerken. Dieses „wir“ ist mein Hauptproblem, denn ich möchte nicht zu jenen zählen, die das befürworten, was ich für schändlich halte.


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