Arbeitsträumer

Ich hätte es nicht zugeben mögen, aber ich war auch ein Arbeitsträumer, damals. Ich erkenne die Arbeitsträumer sofort, daran nämlich, wie langsam sie sind bei dem, was sie tun, und nicht ganz bei der Sache. Oder so sehr, daß sie sich in ihr verlieren. Jede ihrer Bewegungen ist vorsichtig und tastend, als könne schnell etwas kaputt gehen in der Welt durch sie und ihre Übung. Während sie eine Bratwurst zerschneiden, mit roter Soße übergießen und Currypulver überpudern, während sie die Strichcodes der Waren auf dem Transportband über den Scanner ziehen oder mit dem Tortenheber ein Stück Kuchen aus der Kühlvitrine hebeln – sind sie woanders. Sie lächeln und träumen am hellichten Tage, und durch ihre verträumten Bewegungen verraten sie sich. Diese Bewegungen haben etwas Weiches, fast Zärtliches. Habe ich es eilig und sehe zu, wie unschuldig und verloren sie agieren, möchte ich einspringen oder sie ins Leben rufen, hart ins Hier und Jetzt. Doch das darf ich nicht, ich würde sie wecken und sie würden erschrecken. Sie sind so voller Gedanken, denn das Leben ist noch neu für sie und vielfältig undurchschaubar. Wer so viel denken muß, kann nicht noch schnell sein. Wie bereits gesagt, ich war auch ein Arbeitsträumer, damals, jedenfalls hin und wieder. Ich war nicht wach, ich träumte tief.


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