Ja, der Regen beruhigt die Sinne, er erinnert an das Unaufhörliche. Seit Jahren begegne ich gewissen Menschen, nicht täglich, aber hin und wieder, grüße sie kurz und gehe weiter. Es gäbe wenig zu reden, fürchte ich, zumal ich sie nicht wirklich kenne. Und doch sind sie mir über die Jahre ein wenig vertraut geworden, sei es, daß sie ein Ladengeschäft betreiben hier im Bezirk unserer unregelmäßigen Begegnungen, sei es, daß sie zu ähnlichen Tages- oder Nachtzeiten unterwegs sind. Zuweilen wechseln wir ein paar hilflose Worte, wie es Nachbarn oder entfernte Bekannte tun, unsicher und scheu, auf eine Weise verpflichtet, die der Konvention zugehört, doch nicht ihr allein. Es bedeutet gewiß etwas, länger an einem Ort zu leben. Das kommt zum Ausdruck, wenn unsere Wege sich kreuzen. Was es bedeutet, bleibt ungesagt.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.