Elfter Tag

Was war da los? Ich kann mich nicht erinnern, ein Dienstag, ein Sichverdrücken vor unangenehmer Pflicht. Sicher habe ich viel geredet oder wenig, irgendwem irgendwas erklärt oder mir erklären lassen. Vielleicht war ich auch allein. Dann fand ich ein Buch, ich selbst habe es geschrieben, es trägt den Titel Wieder ein herrlicher Tag. Darin stehen Sätze wie: „Die Bewohnerinnen des Altenheims, evangelische Krankenschwestern, die ihr Leben der Pflege des Nächsten gewidmet haben, können mich beobachten, hier hinter Gittern im Keller eines orange-grau gestrichenen Fertighauses, sehen, wie ich träume, spreche, gestikuliere, hüpfe, renne, schreibe, lese, telephoniere – wie ich älter werde. Sie haben das hinter sich gebracht. Mit achtzig geht es nicht mehr ums Älterwerden, stelle ich mir vor, da geht es ums Sterben, den Tod. Ich stelle mir vor: der letzte Frühling … warme Winde auf der Haut, Wind auch im Haar, die Wiederkehr. Manchmal sitzen sie auf dem Balkon oder lassen die Fenster geöffnet, dann höre ich, wie sie alte Volkslieder singen.“


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