Manchmal hilft nur Henry Miller

„Als er noch Assistenzarzt war, besuchte ich ihn gelegentlich in dem Krankenhaus, wo er seine Zeit abdiente. Wir pflegten mit den anderen Assistenzärzten Billard zu spielen. Ich besuchte das Krankenhaus nur, wenn ich in verzweifelter Stimmung war, wenn ich etwas essen oder ein paar Dollar geliehen haben wollte. Ich verabscheute die Atmoshäre dort. Ich konnte seine Kollegen, ihre Manieren, ihre Gespräche, sogar ihre Ziele nicht ausstehen. Die große Heilkunst bedeutete ihnen nichts. Sie strebten eine behagliche Pfründe an, das war alles. Die meisten hatten sowenig natürliche Begabung für die Medizin – wie ein Politiker für die Staatskunst. Sie verfügten nicht einmal über die Grundvoraussetzung des Heilberufs: die Liebe zum Menschen. Sie waren abgestumpft, herzlos, völlig egozentrisch, völlig uninteressiert an allem außer ihrem Fortkommen. Sie waren schlimmere Gefühlsrohlinge als die Schlächter im Schlachthaus.

Kronski fühlte sich ganz zu Hause in dieser Umgebung. Er wußte mehr als die anderen, konnte sie in Grund und Boden reden, sie überlisten, sie überschreien. Er war ein besserer Billardspieler, ein besserer Würfelspieler, ein besserer Schachspieler, er war in allem besser. Er wußte über alles Bescheid und spuckte es gerne aus, paradierte auf und ab in seiner eigenen Kotze.“

Henry Miller, Sexus, Drittes Buch, Kapitel 8


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