Man kann das Überbrückungen nennen, jene Wege über den tiefen Abgrund des Nichts, den es deshalb gibt und geben muß, da der Verstand mit seinem Fragen und seiner Verstehenssucht nicht ruhen kann. Er bohrt und bohrt und findet ein Loch, daneben gleich noch eins. Er sägt und sägt und spürt am Hosenboden, daß sich etwas bewegt, daß der Ast, auf dem er sitzt, vibriert. Es freut ihn, sich so wirksam zu erleben, und er sägt weiter, und schließlich gibt es ein Geräusch, das er später unbeschreiblich nennen wird, sofern er den Sturz überlebt.
Wir erleben die Tiefe auch ohne Ast und Säge, nämlich in uns selbst. Wie grundlos und ungesichert die eigene Existenz erscheint, kaum fehlt der konventionelle Halt. Man muß mitmachen, um nicht verloren zu gehen. Gemeinsam mit anderen blindfischen. Oder neue Vorhänge spannen, damit man nicht ins offene Getriebe gucken muß, diese Vorhänge dann bemalen, zum Beispiel mit den neuesten Parolen über ein gutes und gelungenes Leben hier, fernab der Katastrophen anderer, weiter südlich.
Deshalb benötigen wir Unterhaltung, deshalb ist es gut, wenn die Menschen was zu lachen haben oder künstlich Angst empfinden. Dann sind sie abgelenkt und nicht mehr nur bei sich selbst. Deshalb auch ist es gut, wie ein Kind zu lesen und Filme zu schauen – als sei alles echt. Denn die Leinwand hat Tiefe und zwischen den Buchstaben geht es hinein.
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