Schule der Grausamkeit

Von den Kleinen lernen, was die Großen bewegt. Schulen der Grausamkeit durchlaufen. Das gequälte Kind und die Horde seiner Peiniger. Pausenbeschäftigung wehtun. Demonstration von Stärke, Lustgewinn durch Überlegenheit. Das Opfer muß chancenlos sein, sonst funktioniert der Freizeitspaß nicht. Jeder einzelne in dieser Horde ist feige und heilfroh: auserwählt zu sein, zu den ‚Starken‘ zu gehören, die quälen dürfen – noch nicht jener zu sein, der Anhaltspunkte dafür liefert, das nächste Opfer zu werden. Solche Angst schweißt die Horde zusammen, das nennt sich Gemeinschaft. Daß dies so ist, gehört zum Betriebsgeheimnis des gemeinschaftsliebenden und gesellschaftsfürchtigen Menschen von Anfang an. Nichts versetzt ihn so sehr in Panik wie die Angst vor seinem Ausgestoßenwerden, das den sicheren Tod nach sich zieht. Der Fortschritt in der Kultur- und Sozialgeschichte liegt darin, daß das Individuum unter günstigen Umständen die Horde, der er angehören möchte, selbst wählen kann. Wenn man zu den Großen gehört, erwachsen ist und mit dem Wissen aus der Kindheit und Jugend daran geht, sich innerhalb anderer Horden einen Platz zu erkämpfen. Irgendwo am Rande dieser entkräftenden Bemühungen wachsen ein paar romantische Blumen. Man kann sie sich pflücken, doch auch das ist grausam.


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