Erpreßte Götter

Das Kennzeichen der Wunderverkäufer ist, daß sie auf etwas hinauswollen: eine Lehre, einen Glauben, etwas Reproduzierbares. Sie müssen Gewinn machen: die Kundschaft soll wachsen. Man soll die Seite wechseln, Anhänger werden, einen Mitgliedsantrag stellen. Ihr wichtigstes Werkzeug ist die Deutung des Wunders als eines Erfolgs (einer Wirkung) sowie seine Rückführung auf ein Wollen und eine bewirkende und zu nutzende Kraft.

Sie bieten die erfolgversprechenden Techniken: Gebete und Geld, Glauben und Gehorsam, Seminar und Semester, Besitz und Befugnis, Drohung und Drangsal, Zeugnis und Zertifikat, Reim und Ritual, Gewalt und Geständnis, Titel und Talare, Zugehörigkeit und Zusammenhalt, Alliteration und Assonanz. Gemeinsam stark, eine Verwandlung. Was bleibt den Göttern da anderes übrig als zu gehorchen und hin und wieder Zeichen und Wunder zu produzieren.

Die Menschen nerven unaufhörlich, sie sind so begierig. Am schlimmsten ist ihre spirituelle Zudringlichkeit. Es müßte sich jemand erbarmen, doch wen soll man schicken? Sie würden auf der Stelle mißverstehen, mit großem Eifer. Sie würden Lehrmeinungen entwickeln, Fraktionen bilden und sich bekriegen, im Namen des Größten und der allumfassenden Liebe.

Die Wahrheit ist schlimmer noch als Gold, hochtoxisch, macht die Menschen wahnsinnig, stillt ihre Sehnsucht, macht sie süchtig, bringt sie um. Dabei soll sie befreien – aber zu was?


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