Kevin Underwood

Kevin Spacey als Frank Underwood in House of Cards – jetzt, nachdem Allewelt weiß (oder zu wissen meint), daß er sexuell übergriffig ist, ein Fummler und Betatscher, der Ruhm und Macht dazu mißbraucht, sich am Set an jüngere männliche Kollegen heranzumachen: in seiner Paraderolle wirkt er nun noch authentischer und durchtriebener. Er ist gierig, er muß haben, will unterwerfen. Kevin Spacey spielt nicht, er ist Frank Underwood. Einer von unten, der sich nach oben gebohrt hat, nach ganz oben, einer aus dem Unterholz des Lebens, wo es raschelt und schreit, wo einem weh getan wird. Jedes Zurückgewiesenwerden ist ihm ein Abgelehntsein, eine unerträgliche Pein, alt wie die eigene Person, fast von Anfang an. „Ich möchte, daß du nie wieder an eine Niederlage auch nur zu denken wagst“, faucht er, und Claire hält still, weiß stets mehr, als sie sagt.

Warum hat keiner der Belästigten kräftig das Knie hochgezogen oder ihm eine geknallt? Unter Männern, eins zu eins, einen Scheiß doch auf den Promi-Status dieses Selbstdarstellers. Stattdessen jetzt die mediale Schuld- und Reinigungszeremonie mit peinlich verspätetem Anklagepathos der Opfer und einem heuchlerisch reumütigen Täter, der sich erst outet und dann zu therapieren verspricht. Öffentlichkeit als Gerichtsort, das kann nicht funktionieren. Und die Kollegen – eben noch war er „ein wundervoller Mensch und großartiger Kollege“, jetzt nur noch „der arme Kevin, der sich zum Glück ja behandeln läßt“. O Gegenwart, du süßes frömmlerisches Luder.


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