Die Sonne steht schräg zum Bahnsteig, ich verlasse den überdachten Bereich und lasse mich blenden, weiter hinten ist ein Friedhof, ich denke an meinen Vitamin-D-Haushalt. Die Sonne wärmt, es ist auf der Haut zu spüren, das ist angenehm. Auch ohne dieses Vitamin-Wissen hätte ich den überdachten Bereich verlassen und wäre aus dem Schatten ins helle Licht getreten. Mich ärgert das funktionale Halbwissen, dem ich ausgesetzt bin. Mir wäre lieber, ich stellte mich absichtslos und unbewußt ins Licht. Ich kenne Leute, die betonen, daß sie ‚ganz bewußt‘ (so drücken sie sich aus) etwas getan oder gelassen haben, als könne die Bewußtheit ihr Verhalten adeln. Ich sehe das nicht so. Mir wäre es angenehm, wenn jemand zu handeln vermag, ohne etwas im Schilde zu führen; wenn Gutes oder Richtiges unwillkürlich geschähe oder aus einer Neigung heraus, lange bevor das Bewußtsein davon erfährt und es einbindet in das weitverzweigte Netz seiner Zwecke und Absichten. ‚Das ist gut für das Karma‘, sagen andere und verunreinigen damit ihr Tun. Man kann Karma-Punkte nicht sammeln wie Bonuspunkte oder Treueherzen. Dann könnte man sich sein Seelenheil ja erkaufen, mit ein wenig Bewußtheit.
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