Unfaßbar erfolgreich, die Märkte zeigen sich wiederholt beeindruckt, Deutschland boomt. Wozu eine Regierung, man kommt gut ohne aus. Das Regelwerk funktioniert, die Rädchen schnurren, das Umfeld schlägt die üblichen Kapriolen. Was geht das uns an? Land ohne Ideen. Es ist gleichgültig, wer demnächst regiert, es sei denn, die Vollidioten lösen die Halbidioten ab. Halbidioten richten signifikant weniger Schaden an. Nur ein unverbesserlicher Idealist wartet auf die Viertelidioten. Ein Politiker namens Dobrindt faselt von einer ‚konservativen Revolution‘ und appelliert an das Bürgertum, sich zu erheben – demnach gegen sich selbst. Eine geschäftsführende Kanzlerin zermürbt ihre Verhandlungspartner bei Sondierungsgesprächen und wird sie nach den anschließenden Koalitionsverhandlungen vollends zermürbt haben. Wie es gelingt, die Bälle flachzuhalten – indem man die Luft ausläßt. ‚Deutschland‘ geht es derart gut, daß es nicht einmal mehr eine Regierung benötigt. Das Ausland (wer immer das ist) reagiert erleichtert, zwischenzeitlich kommen keine Verbesserungsvorschläge aus Berlin. Deutschland ist das Besserwisserland aus der geschlagenen Mitte Europas, ein eilfertiger und ehrgeiziger Streber, ein heuchelndes Substitut aus Minderweitigkeitskomplexen und Überlegenheitswahn. Wer spricht nächstens für uns, die wir diesem schielenden Konglomerat aus Bußfertigkeit und Schamlosigkeit angehören? Weihnachtsansprache und Neujahrsansprache – als seien wir Königskinder und Schafe zugleich und der Investiturstreit national überwunden.
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