Wer hohe Werte ausgibt, muß dafür sorgen, daß sie gedeckt sind.
Es kann einer sonstwas sagen, es mag die Rede sein von Frieden, Gerechtigkeit, Freiheit, Menschenrechten, Demokratie, Gleichberechtigung, Umweltschutz, Klimaschutz, Artenschutz, Minderheitenschutz, Toleranz, Lebenschancen – ich höre kaum mehr hin. Zu diesen Schlagworten kann ich mir Schönes und Richtiges denken, doch möchte ich nicht absichtsvoll narkotisiert werden.
Die Wortgerippe sind abgenagt bis auf den unverdaulichen Rest, die toten Buchstaben sind leer wie Hülsen oder Luftknochen. Wortinhalte wurden gebraucht und wie Deodorant über Leichenfelder versprüht. An ihnen ist kaum mehr etwas dran, doch werden sie unvermindert in die Höhe gehalten wie Idole oder Talismane.
Hierzulande werden sie noch irre (das ehrt uns: wir hören zu und wollen/müssen glauben), wenn nicht bald für Deckung gesorgt wird. Denn wir hier sind die braven Kinder des uns Beigebrachten, die Lektionäre der großen Besserung. (Woanders schlagen sich längst die erstarkenden Wir-Gemeinschaften auf die kollektive Brust, da sie ‚dort‘ nicht erkennen können, was ‚wir hier‘ einmal gesehen haben mögen.)
Die angezeigten und ausgegebenen Werte verlieren weltweit, seit die großen Prediger des Westens falschspielen. Seit wann sie das tun, weiß der Geier. Bartgeier, Mönchsgeier, Gänsegeier, Kappengeier, Ohrengeier, Kahlkopfgeier, Wollkopfgeier, Truthahngeier, Gelbkopfgeier, Rabengeier, Königsgeier.
Ich sah am Samstag die erste Rabenkrähe in Berlin, eine schwarze Morphe der Aaskrähe. Das muß an mir liegen, daß ich sie jetzt erst gesehen habe – sie war immer schon hier, auch wenn die Nebelkrähe überwiegt. Mehrheiten können täuschen.
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