Als Katastrophiker sehe ich mich um, muß wissen, wer mit mir im Abteil, im Waggon, im Bus, im Kinosaal, im Raum ist. Wir könnten angegriffen werden, der Zug könnte steckenbleiben, es könnte brennen, die Fluchtwege könnten versperrt sein. Als Katastrophiker male ich mir aus, wie die Kinoleinwand Feuer fängt und die Panik sich in Bewegung übersetzt und die Eingänge verstopft sind wie Autobahnen zu Beginn oder Ende der Großen Ferien. Ich sehe, wie sie sich drängen, schieben, schlagen. Ich weiß, daß jemand unter die Schritte und Tritte gerät und totgemacht wird. Ich will wissen, daß ich überleben werde; ich werde mich an etwas halten, das wichtiger ist als Instinkt: an die fast schon kaltblütige Ruhe jenseits der Panik von Herzschlag und Aufruhr. Wenn ich einen Raum betrete, gleich welchen, schaue ich mir die Leute an, mit denen ich gefangen bin. Das geschieht unauffällig, doch in gewisser Weise weiß ich fortan Bescheid. Nur in gewisser Weise, nicht absolut, nicht unbedingt, aber vielleicht doch ein bißchen wirksam. Absolut ist nichts, nicht einmal der sichere Tod. Als Katastrophiker habe ich mein Leben lang mit Bedrohungen zu kämpfen gehabt. Ich mußte sie täglich bestehen, mehrmals täglich, von Kind an. Niemand kann sich das vorstellen, bis auf jene, denen es ebenso erging. Als einer vom Hocker kippte, in einer Bar, mehr als drei Jahre her, es war nachts, er hatte zuviel getrunken, schlug hinten auf, dachte ich ohne mich umzusehen: tot. Daß er den Sturz überlebte, war das Wunder oder keins. Er grunzte und fragte, ob jemand ihm aufhelfen könne. Großer Gott, was für ein Glück hatte denn dieser Idiot.
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