Lese ich selbst die ‚alten‘ Beiträge, jene von vor drei Jahren, erscheinen sie mir zuversichtlicher, unbeschwerter, hüpfender. Ich war sehr fröhlich, als ich diese Seiten begann. Endlich! Zwischen dem Anfang und jetzt liegt eine beschwerliche Zeit, die noch nicht zuende ist. Die äußeren Umstände gehen nur meine Freunde an, von den inneren kann ich sprechen, manchmal eruptiv und unsortiert, anderntags kontrolliert und literarisiert. Daraus besteht das Vorhaben: Verfremdung ja, Entfremdung nein. So dicht wie möglich an dem, was wirklich ist, mit den eigenen Gedanken und der eigenen Sprache, die nie ganz ’nur eigen‘ sein kann, da ich sie teile und teilen mag mit einer Sprech- und Lesegemeinschaft. Vermutlich handelt Texte und Tage von Beobachtungen, Erfahrungen und dem freien Nachdenken über dies und das. Ich kann manche meiner Beiträge unmöglich ein zweites Mal lesen, finde unerträglich, was im Augenblick der Niederschrift angemessen oder berauschend geklungen haben mag. Wahrheit ist eine Funktion der Zeit (Albert Einstein). Die Summe meiner Fehleinschätzungen dürfte groß sein. Stilistisch neige ich zur Übertreibung. Mein Wesen und Fühlen sind dramatisch, die Flammen lodern hoch. Ich muß mich und andere davor schützen. Deshalb habe ich mir Neutralität verordnet, eine gewisse Kälte des Herzens, einen Sarkasmus des Schmerzüberstehens. Natürlich funktioniert das nicht, denn ich kann mich nicht daran halten.
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