Der stille Frühling – so nennen sie den Rückgang der Vogelpopulationen vornehmlich im ländlichen Raum, wo die Agrarsteppen liegen, aus denen sich das Leben zurückgezogen hat. Die Erde wird vergewaltigt und ausgepreßt, die Lebewesen werden streng sortiert; eine flächendeckende Selektion findet statt: Nützling oder Schädling. Kein Platz für Hecken, Ackersäume, bunte Wiesenstreifen. Die Landwirte ackern mit ihren Großmaschinen bis hart an den Feldweg. Keine Blüten, keine Insekten. Die EU hat ihr Flächenstillegungsprogramm 2009 beendet, die Brachflächen sind fort. Wo die Tiere verschwinden, sind auch kaum mehr Menschen. Entvölkerung des ländlichen Raums, eine Massenflucht über die Jahrzehnte. Dort draußen sieht es traurig aus, arm und leer. Ausgeräumte Landschaften wie nach einer großen Katastrophe. Man strömt in die Städte, weil dort noch Leben oder mehr davon ist. Wir sind die Tiere, wir sind vor dem Nutzen geflohen.
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