Ehepaare

Bereits mit zehn oder elf Jahren fing ich an, die Ehepaare zu studieren. Onkel und Tanten, Tanten und Onkel, Großeltern und Großelternreste, eigene Eltern und Eltern der Freunde, Ehepaare in der Nachbarschaft (Eltern der Spielgefährten), Ehepaare in Komödien und Dramen, Ehepaare in der Öffentlichkeit, also auf Straßen, in Cafés, Kneipen, an Supermarktkassen und Bushaltestellen, in Dorfgemeinschaftsveranstaltungen und auf Zeltfesten, auf Elternabenden und in Partykellern. Wie sie sich gaben und wie sie wirklich waren. Ich staunte sie an. Es war meist eine Art Schauspiel: der Mann spielte Vater, die Frau spielte Mutter. Sie waren recht neu in ihren Rollen, schienen aber zu ahnen, wie das geht. Das wiederum verunsicherte die Kinder, die so taten, als wüßten, wie es ist, ein Kind zu sein. Wir „markierten“ alle – so nannten wir damals das So-tun-als-ob. Nun ja, die Ehepaare – ich fand sie langweilig, sie mußten lügen, aber sie konnten es nicht gut.


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