Warten auf die Mauersegler

Bereits der siebte Tag des Monats Mai, Warten auf die Mauersegler. Wann darf ich ihre Schreie hören und sie von hier unten, vom Boden aus, bewundern. Ihr Anblick lehrt den Wunsch zu fliegen. Wie fest wir doch sitzen, wir Erdlinge, und welchen Aufwand wir zu treiben haben, um in Fahrt zu geraten oder abzuheben. Immerhin das Fahrrad. Gestern sah ich einen dicken Mann. Er verließ das Haus und trug eine Grilltasche zu seinem Auto, öffnete den Kofferraum und stellte sie ein. Sein Bauch war stattlich und ragte über, seine Schritte waren schwer und einzeln erkämpft. Ich sah, daß die Bewegung für ihn keine Lust mehr ist. Das hat er hinbekommen über die Jahre, seit er kein Kind mehr ist. Das Natürliche ist fort und wie für alle Zeit dahin. Er wird nicht springen und jauchzen, stattdessen schnaufen und keuchen. Ja, vielleicht ist das traurig. Andererseits hat sich etwas in ihm entschieden, Menschen sind wie sie wurden und wenig geschieht ohne Grund. Hoffentlich macht ihm das Grillen Spaß, dachte ich noch. Er mußte derweil zurück ins Treppenhaus, nach oben steigen, Stufe für Stufe. Die Kinder der Mauersegler verhungern, wenn die Eltern dort oben in den Lüften auf ihrer wilden Jagd keine Insekten mehr finden.


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