Halb so wild, sagt jemand. Kaum einer spricht über die Fußballweltmeisterschaft in Rußland, sage ich. Das wird bezweifelt: Erst noch kommen die Finale. Welche Finale? Champions League, DFB-Pokal, UEFA Euro League. Ja, die kommen noch, die kommen wie jedes Jahr, aber nur alle vier Jahre ist Weltmeisterschaft der Fußballnationen, das ganz große Theater, was für eine Vorfreude, ein Tagezählen jeweils. Doch diesmal? Durchziehen die Sache wie eine Pflicht ganz ohne Lust, Rußland, Putin, Demokratie, eigentlich wichtig, aber Fußball auch, lieber nichts dazu sagen, sonst fordert noch jemand Boykott, die Qualitätsmedien schweigen angeklagt und notgedrungen mit (niemandem den Spaß verderben, Geld, Geschäft, eigene Interessen, Berichterstattung, Themen), was sollen sie auch anrichten. Wollen sie denn etwas anrichten? Was könnten sie denn anrichten? Die Klugheit siegt: ein Einsehen haben, die Lage verstehen. Die Lage besteht aus: nicht einfach, zu kompliziert, keine Ahnung. WM in Rußland: dann berichtet doch wenigstens über den Zustand der Stadien, den Fortschritt der Bauarbeiten von Woche zu Woche. Kann doch nicht sein, daß alles dort wie geschmiert läuft. War doch in Brasilien auch nicht so, nicht so in Südafrika. Wird es eine Putin-WM? Was genau heißt das? Abtauchen scheint angesagt. Fällt außer mir noch jemandem etwas auf? Dieses Schweigen im Walde, der Wind geht um die Bäume, die Sträucher wispern wie üblich Geschichten. Man weiß nicht, wie damit umzugehen ist. Wenn man nicht weiß, wie mit etwas umzugehen ist, dann sagt man, daß man nicht weiß, wie damit umzugehen ist. Auch darüber läßt sich selbstkritisch berichten. Sonst denken die Leute noch sonstwas. Aber wie verhält es sich mit der Moral, wenn sie Geld kostet, statt welches einzubringen? Soll das die beste Frage sein, die sich derzeit stellen läßt?
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