Sie sind da, hörte ich

Heute wurde ich geweckt mit der Nachricht, daß die Mauersegler bereits hier sind, seit Freitag letzter Woche. Nur ich habe sie noch immer nicht erblickt – ausgerechnet ich, der ich gern Mauersegler wäre, dürfte oder müßte ich nicht Mensch sein hierzulande und heutigentags, mit wechselndem Vergnügen, gemischten Gefühlen und abwegigen Gedanken. Was tun wir hier, was sollten wir tun, warum verstehen wir das nicht? Die Menschheit (fürchterlich anmaßend, so zu sprechen), die Menschheit, dachte ich vorgestern oder vorvorgestern, hat ja im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende niemals Zeit gefunden, über „dies alles“ einmal gründlich nachzudenken. Und wenn nachgedacht wurde, sogar gründlich, galt dies Erdachte nicht mehr, wenn neue Helden die Bühne des Handelns und Denkens bestiegen. Alles Menschliche ist eilig, gehetzt, dem Augenblick und der Gunst einer begrenzten Gefahrlosigkeit abgetrotzt. Schon naht neues Ungemach und kämpft und will siegen mit neueren Schlagworten und Ideen. Nicht anders ich selbst, der ich von Ideen und Vorstellungen beschossen werde und gar keine Höhle finde, mich einer einzigen einmal wirklich und länger zu widmen. Allmählich verstehe ich die Systematiker – sie blenden kurzerhand aus. Leben ist Aufregung, und das ist kein Kompliment. Demnächst Mauersegler – aber dort oben … auch nur Kampf und Geschrei und Lust. Immerhin Lust, sagt Mai.


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