Das Gesicht der Diebin wirkte verletzt. Sie lief über die Fahrspuren auf mich zu, wir trafen uns auf dem Mittelstreifen zwischen den Kirschbäumen im Licht der Straßenlaternen. In ihrem Blick erkannte ich den Schmerz und ein Verzeih mir bitte, ein: was ich jetzt tue, möchte ich nicht tun, aber ich muß es tun und du bist nur zufällig das Opfer. Vielleicht war sie deshalb erleichtert, als ich sagte: nein. Ich blieb nur kurz stehen, doch ich sah noch: da waren Schrammen auf ihrer Wange und an der Stirn, die Augenlider gerötet wie nach vielem Weinen oder Geschlagenwerden. Sie braucht echte Hilfe, nicht nur Raubgeld für Drogen oder sonstwas (nennen wir es Leben). Dahinter die ganze Geschichte eines Menschen, der nachts noch Geld aufzutreiben muß, und zwar derart und nicht unüblich, indem man Betrunkene auf ihrem Heimweg abpaßt. Wo kommst du her? hatte sie gefragt. Aus der Hölle, hätte ich sagen sollen. Dann hätten wir etwas gemeinsam gehabt, die Diebin, ihr Kompagnon und ich, nachts auf dem grasgrünen Mittelstreifen der Flughafenstraße, er an der Hauswand im Rückraum, lauernd, sein Mädchen vorschickend, eine altbekannte Teufelei. Der alte Mann aus unserem Haus, den sie eines Tages tot in seiner Wohnung fanden, er lag dort schon zwei Wochen, es roch und die Fliegen schwirrten herum – er wurde von zwei Männern bis in den Hausflur verfolgt, dort erst ausgeraubt und geschlagen. Ist ein paar Jahre her, hier kann man was erleben.
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