Beute machen

„Hallo hallo.“ Eine Frau kommt auf mich zu, sie fragt: „Kannst du Geld wechseln?“ Ich frage: „Was denn?“ Sie sagt: „Fünfzig Euro.“ Ich sage: „Nein.“ Ich denke nach. „Aber dort“, sage ich und zeige auf den Spätkauf, „dort kannst du wechseln, die haben vierundzwanzig Stunden geöffnet.“ – „Wo kommst du her?“ fragt sie und sieht sich um. An der Hauswand steht ihr Freund und sieht zu uns herüber, er hat sie zu mir geschickt. Ich sage: „Ich komme aus einer Bar, in der jetzt Schluß ist.“ – „Okay“, sagt sie und dreht sich halb schon weg. „Dort kannst du wechseln, ganz sicher“, wiederhole ich und zeige noch einmal auf den Spätkauf, den jeder hier kennt. Ihr Gesicht ist zerschunden, hoffnungslos bittend. Nun bin ich weiter, nichts ist passiert. Sie ist der Lockvogel, er wartet hinten und greift ein, wenn jemand sein Portemonnaie zückt und gutgläubig das Wechselgeld herauszählt. Gott, wie naiv ich bin, denke ich noch, und das, obwohl ich hier nicht nur wohne, sondern lebe, und letzten Sommer ein windiger Typ mir das Portemonnaie aus der Gesäßtasche zog, fragend, wo denn der Hermannplatz sei, vorgebend, er sei aus Brasilien. Aber gleich ist Himmelfahrt, ich muß schnell schlafen und dann ohne Busengrapschen den Herrentag bestehen.


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