Verstehen

Der erschöpfte Handwerker, ein Malergeselle, drehte noch einmal auf, als der obdachlose Bettler um eine Spende bat. Er hielt eine Predigt, geriet in Hitze, sagte Sätze wie: Ich weiß nicht, wie das bei dir ist, aber mir wurde beigebracht, daß ich arbeiten muß, wenn ich Geld haben will. Ob mir das gefällt oder nicht, ich muß dafür arbeiten. Mir hat keiner was geschenkt, noch nie. Mit fünfzehn habe ich angefangen zu arbeiten, als kleiner Stift. Jetzt verdiene ich mehr – aber angefangen habe ich mit zweihundert Märker und ein paar Zerquetschte. Heute ist besser, aber arbeiten muß ich jeden Tag, auch wenn mir das mal nicht paßt. Da kannst du gucken, wie du willst, das ist so. Und warum soll ich dir jetzt Geld geben? Ich will nach Hause, ich will meine Ruhe haben – da kommst du und erzählst mir was. Ich habe keine Ahnung, ob das stimmt oder nicht. Du kannst mir ja vieles erzählen, kann ich ja nicht überprüfen, möchte ich auch gar nicht. Soll jeder leben, wie er möchte. Aber wenn du nichts tust, kriegst du auch kein Geld. So einfach ist das. Geh mal schön weiter und versuch dein Glück, ich muß nach Hause und bin schon ruhig. Tut mir leid, aber manchmal platzt mir auch der Kragen, so ’ne Scheiße manchmal. Viel Glück noch, ja, tschüß.


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