Die Angst des Tormanns vorm Elfmeter existiert nicht, der Schütze muß die Situation fürchten. Doch es gibt die Angst des Tormanns vor dem Patzer, dem unerklärlichen Versagen, dem Blackout. Soeben zweimal mitanzusehen bei Loris Karius aus Schwaben, dem Torhüter des FC Liverpool, der sich nach Abpfiff des Endspiels der Champions League das Trikot über das Gesicht zog. Zwei unverzeihliche Torwartfehler besiegeln die Niederlage seines Klubs – doch was heißt „unverzeihlich“. Karius ist 24, halb so alt wie Oliver Kahn, Fußballexperte im ZDF-Studio. Kahn sagte: So schlecht, wie der Torwart sich jetzt fühlt, unmittelbar nach dem Spiel, ist nichts, verglichen mit dem, wie er sich morgen fühlen wird. Ein Tormann darf in seiner Karriere nicht allzu viele Fehler machen. Vielleicht bedeuten diese beiden Fehler bereits das Ende einer zunächst vielversprechenden Karriere. Im Fußball wird zwar verziehen, aber niemals vergessen. Karius ist einer der unglücklichsten Menschen heute nacht und nächster Tage. Daß Sergio Ramos, der Knochenbrecher und Rote-Karten-Rekordhalter im Team von Real Madrid, ihm kurz vor dem ersten Aussetzer einen Ellbogenschlag gegen die Schläfe verpaßt hat, vermag da kaum zu trösten. Ramos will gewinnen, mit allen Mitteln, um jeden Preis, man weiß das. Karius aber schaut das erste Mal in den tiefen Abgrund dessen, was erfolgt.
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