Ein schöner Tag

Die Abendgeräusche aus letztem Vogelsang, Stimmen der Nachbarn, dem Klappern von Geschirr. Gute Nacht, heute war ein schöner Tag. Dicht über den Pflastersteinen schwirrten in der Mittagssonne die Sandbienen, die Passanten liefen durch sie hindurch. John Edward Williams Butcher’s Crossing ließ mich die Haltestelle verpassen. Im Roman ist es Winter, die Büffeljäger sind eingeschneit und kämpfen um ihr Überleben, auch um den Verstand. Einer spricht mit dem, was nur er sieht, ein anderer verirrt sich und wird schneeblind. Sie haben zu lange gewartet, der Winter hat sie in den Bergen überrascht, ein Blizzard. Sechs bis acht Monate in Eis und Schnee, nachts aneinander gedrängt, um nicht zu erfrieren, ein Zelt aus Büffelhäuten, ein Feuer, das nicht erlöschen darf. Als ich aus dem Buch auftauchte, erkannte ich ein Haus und sprang schnell noch aus dem Zug. Das Haus steht neben den Gleisen, es beschäftigt mich, niemand wohnt dort. Vielleicht fliegen die Fledermäuse ein und aus. Leichten Schritts ging ich zur Arbeit. Ich bin nicht in den Rocky Mountains nahezu schutzlos einem grimmigen Winter ausgesetzt, doch eben noch war ich es. Ich muß nur durch diese Gesichter hindurch, mit denen ich mich seit zwei Jahren beschäftige und über die ich vor kurzem noch bereit war zu schreiben. Es gab erste Anzeichen dafür, daß ich es schaffe. Dann kam das Wochenende dazwischen und ich verlor den Mut. Sie wirken konsterniert und traumatisiert, als sei etwas ganz Furchtbares geschehen. Weißt du, was mit unseren Bürgern los ist? fragte ich die Kellnerin am Montag. Jetzt sind die Abendgeräusche verstummt, die Mauersegler schlafen hoch oben in der Luft.


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