Blättern in einem historischen Photoband, Deutsche Ostseeküste, Aufnahmen aus den sechziger Jahren, in Schwarzweiß: Sand, Strand, Badende; Kiefern, Dünen, Wolken; Wellen und Wogenkissen, Gischt. Störche im Anflug, reetgedeckte Katen, Pferdegespanne. Farbig war die Welt von Anbeginn, bunt wurde sie in den Siebzigern: zum Massenphänomen in Kleidung und Design. Seitdem schmerzen die Augen das Gehirn. Daß wir aus Wald und Steppe kommen, ist den Sinnen unvergessen. Schwarzweiß demgegenüber wie ein Akt freiwilligen Verzichts, künstlich, eine bewußte Unnatürlichkeit, den Stunden der Dämmerung zugewiesen, sehr früh am Morgen oder spät am Abend, bevor die Farben fluten und ihren Schmerz verbreiten, den nicht versteht, wer aus dem Osten kommt, dem Osten Deutschlands oder Europas, als der Farbverlust bedeutete: wir sterben hier, uns leuchtet nicht die Sonne.
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