Der Sommer war schön. War der Sommer schön? Der Sommer war lang, heiß und trocken. Wir haben nicht gefroren, Pflanzen sind vertrocknet, die Tiere gerieten in Not. Ernten haben gelitten – erinnert wurde an das Jahr der großen europäischen Dürre 1540, als es elf Monate lang kaum Regen gab. Gestern gab es Regen, und die Blätter an den Büschen und Bäumen, die seit Wochen schlaff von den Zweigen hingen, zwar unvermindert grün, aber traurig dort hängend wie kleine konfektionierte Wäschestücke, hingen heute nicht mehr, sondern streckten sich in den Raum und griffen nach dem Licht, sehr entschieden nicht zu sterben. Kürzere Tage, längere Nächte. Ich habe den Kachelofen beheizt, jedes Jahr ein heiliger Akt. Das Herdfeuer, die Wärme, Geborgenheit. Rückzug auch, Stück für Stück, Tag für Tag, Abend für Abend. Die innere Musik nun wieder hörbar. Man kann wieder denken. Ja, der Sommer war schön, wenn man wegläßt, was Last an ihm war und Lebensbedrohung.
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