Ein zu großer Tag

Auf einer Parkbank sitzen Leute und blinzeln in die Sonne, die Tauben nicken um sie herum und nehmen, wie es kommt. Kinder verlassen abgekämpft die Schule und haben jetzt frei, sie tragen die grellbunte Last ihrer Schulbücher und Hefte.

Im Himmelsblau kreist ein Bussard, nicht weit ein zweiter. Unter ihnen der Friedhof, die Schule, die Siedlung mit Straßen und Gärten.

Auf einer anderen Parkbank liegt ein Mann ohne Heim und Wohnung, seine Schuhe sind zerschlissen, was er besitzt, trägt er auf der Haut. Er döst, benutzt seinen Arm als Kopfunterlage. Die Kinder sehen ihn, unterhalten sich. Ein Junge legt eine Hanuta-Schnitte neben ihn auf die Bank, vorsichtig und ein wenig scheu. Dann zieht die Scout-Ranzen-Gruppe weiter, sie sehen sich von Zeit zu Zeit um, möchten Zeuge der Überraschung und Freude sein.

Im Traum lernte ich die Zubereitung von Espresso-Kaffee mit Zucker, ein altes Rezept, sagte der Meister. Der Zucker wird mit einem tiefen Löffel durch den Espresso geführt und sogleich wieder herausgeschöpft, in einer ruhigen und konsequenten Bewegung. Zum Kaffee gab es Mandeln.

Aufgewacht und in diesen großen Tag gestellt mit seiner unendlichen Weite und Pracht. Ganz hilflos angesichts dessen.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Ein zu großer Tag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert