Pioniere

Man lebt nicht, um Antworten zu geben, sondern trifft Verhaltensaussagen, die als Antworten mißverstanden werden, weil die Kultur sich dazu Fragen ausgedacht hat. Bevor ich die Frage stellen kann, was ist ein Mensch, bin ich es bereits. Die Kultur sorgt dafür, daß ich es auf vorbereitete Weise werde. Demnach ist die Frage schon beantwortet, für mich und stellvertretend, ich spiele nur mit. Man lebt nicht, um Antworten zu geben, sondern man lebt gegebene Antworten. – Bliebe da nicht dieser haarfeine Riß, gäbe es keine Freiheit und kein Entkommen. – Kultur entlastet, indem sie für diejenigen Antworten gibt, die noch nicht wissen können, wie die Fragen lauten. – Was ist ein Mensch und wie soll er leben? – Kultur belastet, indem sie individuelles Einverständnis unterstellt, wo bestenfalls kollektive und tradierte Zustimmung vorliegt – und nimmt in Haftung. Was der einzelne tut, ist nicht ihm überlassen, auch wenn es zuweilen so scheint oder gesagt wird. – Tu doch, was du möchtest … Was kann ein Einzelwesen schon wollen? – Was ist demnach ein Individuum: eigentlich und wesentlich? Lediglich eine Variante, eine Version, eine Spielart? Das ist zu wenig, scheint mir. Ein Risiko ist der Einzelne, jeweils ein Wagnis, eine halbwegs originelle Versuchsanordnung.


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