Heilige in der U7

Wenn er die U-Bahn betritt, gefütterter brauner Ledermantel, Trageriemen über den Schultern, Ikeataschen daran mit den Habseligkeiten eines Lebens auf der Straße mal hier und mal da, Haare verzottelt, Gesicht drogenblaß, die Augen nicht unstet, nur irgendwo anders, beginnt er zu faseln und offeriert denen, die es nicht hören wollen, seine unfertigen Gedanken zu Leben und Sterben, Suchen und Finden, Existenzen im Hier und Jetzt. Nur wenn er zu erschöpft ist, steht sein Mund still. Ansonsten redet es aus ihm, pausenlos, das klingt, als sei jeder Auftritt eine weitere Probe, als übe er seinen großen Selbsterhaltungsmonolog, eine Rechtfertigungsrede, jenen Unbekannten gewidmet, die zuhören mögen, wenn die Ohren, Herzen und Hirne der sogenannten Mitmenschen sich verschließen. Denn das tun sie. Er schon wieder … denke auch ich. Letzten Freitag stieg er zu und begann erneut. Es war abends, die Leute waren k.o., hörten Musik, lasen oder schrieben sich Nachrichten. Nur die Frau mit dem Anorak hörte zu, und gerade als er sich resigniert abwenden und weiterzuckeln wollte, fischte sie aus ihrem kleinen Portemonnaie einen Fünf-Euro-Schein und gab ihn. Sie sagte: Kleiner habe ich es nicht, aber nimm.


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