Diesig, grau, Vormittag, das Straßenpflaster glänzt feucht und schmierig. Ein paar Leute unterwegs, mitten durch den Januar, blicklos. Der Postmann macht Pause, steht breitbeinig mit seinem gelben Lieferrad und raucht nachdenklich die Straße hinauf. Weiter hinten kommt ein Straßenkehrer in oranger Montur. Vorm Fahrradladen steht seit Wochen die rote Couch, auf der Nacht für Nacht die Obdachlose schläft. Eine zweite Couch steht seit gestern an der nächsten Straßenecke, schwarzes zerbröckelndes Kunstleder, Stahlrohrgestell. Der Kiosk in der Wissmannstraße heißt Heidewitzka, das Rotlicht brennt direkt neben 1001 Nacht, dem Kinderladen. Hier lernt man, wie das Leben wirklich ist, wer das nicht will, zieht in ein Reservat.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.