Zehlendorf ist für Berlin der gepuderte Arsch der Welt. Auch dort sind Menschen unglücklich. In der Bio Company streiche ich Distinktionsgewinne ein, indem ich freundlich bin und nicht nur mit dem Personal, sondern auch mit den Kunden spreche. Es geht um einiges, wer läßt wen vor in der Kassenschlange, es fällt ein Kassenwagenchip zu Boden, das macht ein leises Geräusch. Ich sehe den Chip, überlege kurz, bücke mich dann und reiche ihn der ernsten Dame vor mir. Sie sagt: „Ach, das ist aber reizend, vielen Dank.“ Das lockert die Stimmung, selbst die Kassiererin wirkt gelöst und wünscht das Muntere vom Himmel für ihre anspruchsvolle Klientel: lauter Leute mit Abitur und guten Manieren, leider unzufrieden, auf bemerkenswerte Weise enttäuscht. Sie sehen so aus, ich kann nicht in sie hinein und mag auch nicht. „Wünsch dir das nicht, es ist die Hölle“, sagte jemand vor Jahren, bezog sich dabei nicht auf das Dorf mit dem Anfangsbuchstaben Z, sondern auf einen anderen Ort unter der Sonne des Wohlstands, sagen wir: Timmendorfer Strand oder Starnberg. „Dort leben die mit den langen Gesichtern“, sagte er. Was fehlt ihnen? fragte ich. „Die Gefahr“, sagte er.
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