Herumstöbern in den Archiven der Zeit, alte Aufnahmen, vergessene Streitigkeiten. 1995: Klaus Theweleit, Rolf Hochhut, Ernst Herhaus und Jürgen Lodermann arbeiten sich an Ernst Jünger ab. Drei Jahre später stirbt der Umstrittene. 1982 verleihen sie ihm in Frankfurt am Main den Goethepreis, er hält eine Rede, sie wird aufgezeichnet. Deutschland und seine Dichter. Was ist Moral? Müssen Dichter das Richtige vertreten haben? Was ist das Richtige und wer bestimmt das? Mit solchen Albernheiten habe ich mich früher herumgeschlagen. Ich lag in keinem Schützengraben, wurde nie beschossen, mußte nicht mitansehen, wie neben mir jemand verblutete aus einem Loch im Hals oder Kopf. Zu Jüngers Erstverständnis der Welt gehörte der Krieg. Mein Erstverständnis der Welt war, daß sie Spaltung ist, tödliche und todbringende Trennung in Ost und West, und das für ewig. Aber das war besser als Krieg. Ich war West, sollte das sein, lernte das ein, fand es blöd. Am schlimmsten fand ich Leute wie die oben Genannten, die nicht annehmen können, daß es die vornehme Pflicht desjenigen ist, der wenig weiß, zuzuhören und zu fragen und zu staunen und zu lernen.
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