Mittwoch gegen elf Uhr

Sieben Straßen führen auf den Hermannplatz: Urbanstraße, Kottbusser Damm, Weserstraße, Sonnenallee, Karl-Marx-Straße, Hermannstraße und Hasenheide. Unter dem Platz befindet sich auf zwei Ebenen die U-Bahnstation mit Zugängen zum Karstadt-Warenhaus. Auf dem Platz ist Wochenmarkt mit viel Geschrei und Bratwurst, in der Mitte steht eine Plastik aus dem Jahr 1985, Tanzendes Paar von Joachim Schmettau – es hätte schlimmer kommen können. Bei Grün fährt sich ein zerschlissener Mann mit weißem Bart im Rollstuhl über den Fußgängerüberweg Hasenheide, ihm fehlen beide Unterschenkel, die Stümpfe sind weiß bandagiert. Auf dem Weg zum U-Bahnschacht stöckelt eine Hochbeinige durch die Hitze des Vormittags, sie trägt ein kurzes Kleidchen. Ihre langen weißen Beine sind zerstochen und vernarbt, auf einigen Wunden kleben kleine Pflaster. Sie bleibt stehen und zündet sich eine Zigarette an. Ihr entgegen kommt eine tätowierte Sportliche in Kampfhose und Nato-Fleckentarn-Shirt und mustert sie von oben bis unten. Die Sportliche ist mit ihrem Freund unterwegs, ihr rechtes Auge wurde grün und blau geschlagen, geht jetzt in die Gelbfärbung über.


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