Natürlich lese ich weiter bei Anaïs Nin. (Schwächen sind verzeihlich, wir bestehen daraus. Auch aus Eitelkeit, Selbstdarstellung, Geltungsdrang. Kein Problem.) Ich kenne die Autorin nun ein bißchen besser, bilde ich mir ein, doch ihre Beobachtungen und Gedankengänge interessieren mich unvermindert. Jedes Buch hat in mir seine Zeit, manche Bücher müssen lange warten. Nicht anders ergeht es mir mit lebendigen Menschen, bekannten und befreundeten. Auch sie haben in mir große und kleinere Zeiten – so wie ich selbst Wertschwankungen unterliege. Manchmal bin ich zu nichts zu gebrauchen. Ich weiß das und gehe davon aus, daß jeder weiß, daß ich das weiß. Nichts oder wenig ist allezeit gut oder bestens. Anaïs Nin hat bei mir gerade jetzt ihre beste Zeit, ich lerne von ihr. Wie gut, daß ich ihr jetzt erst begegne. Ihre Tagebücher sind lange schon bei mir, unberührt. Eins ist sogar abhanden gekommen – wohin bloß?
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