Wie man einen Künstler kaputtmacht

„Poesie ist die Muttersprache des menschlichen Geschlechts“ (Johann Georg Hamann), „Jeder Mensch ist ein Künstler“ (Joseph Beuys). Wie konnte das Leben denn etwas derart Stumpfsinniges, Ödes, Beleidigendes, Häßliches, Deprimierendes werden? Wer hat sich ans Werk gemacht, mir die Sinne zu brechen, die Stimme zu würgen, meinen Mut zu zertreten? Daß ich überlebt habe, betrachte ich als persönliches Verdienst und auch das Werk der Freunde, der lebenden und der toten (lebendig sind sie beide). Wenn ich einen Obdachlosen durch die Straßen, die Schächte und Bahnen humpeln sehe, frage ich: Warum bin ich das nicht? Weil ich mich noch wehre – ist das die Antwort? Wie man einen Künstler kaputtmacht, wollte ich beschreiben. Ich bin gar nicht erst so weit gekommen. Indem man ihn mit Idiotie vollstopft, mit Regeln traktiert, mit sogenannter Arbeit mißhandelt; ihm die Zeit stiehlt, die er braucht, um zu reifen und nachzudenken; ihn in ein amusisches Umfeld katapultiert, ihn einzwängt und zwangskollektiviert und ihm die verfluchte Egalité um die Ohren haut; ihm Schuldgefühle unterjubelt für ein Vergehen, das einzig darin besteht, anders zu sein und ursprünglicher, näher am Quell des Lebens. Die Installation, in der ich meine freudigen und traurigen Tage verbringe, macht mir Angst. Ich kann mir leicht eine bessere vorstellen, doch wer verfügt über so viel Trost.


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