Exemplarisch

Alle nennenswerten Stücke von Van Morrison handeln von Heilung. And the Healing Has Begun, The Healing Game, Did Ye Get Healed tragen es im Titel. Heilung der Seele, Heilung von Verlust und Schmerz, Heilung der Wunden. (Heil und heil – heil im Sinne von ganz, ungebrochen; dazu dann auch: heilig, also unantastbar, verehrungswürdig. Heilung: Rückkehr in den Zusammenhalt der Teile und in die Unversehrtheit. Wieder ganz werden, zusammenhängend, ungebrochen.) Was hat uns denn so kaputt gemacht, daß wir derart nach Heilung uns sehnen? (Wir und uns: diejenigen, die es angeht.) Die Künstler – ich nehme den Begriff probehalber wieder ernst – haben eigene Schwierigkeiten mit Verletzung und Schmerz. Sie bedürfen ihrer und benutzen ihre Kunst zur Heilung. Heilung nicht nur ihrer selbst, sondern für andere mit. Deshalb gebührte Künstlern Verehrung. Kunst soll heilen. Manche sagen, sie soll verletzen. Vermutlich gehört das zusammen. Manchmal müssen die vorhandenen Wunden nachgezogen werden, damit sie sichtbar werden. „Weißt du, wir sind Künstler“, sagte Willy DeVille im Interview, „wir nehmen alles sehr, sehr persönlich.“ Aus Gefühlen, Gedanken, Träumen, Erinnerungen, jähen Einsichten und Visionen entsteht das Werk. Das Werk ist Dokument, verfügt über Bannmacht und ist Versammlungsort derer, die es berührt und trifft. Ein Werk kann trösten und heilen. Deshalb hören wir Musik, sehen die Filme und lauschen den Geschichten, die von dem sprechen, was uns zusetzt, wehtut und quält. Wir sind voll der Hoffnung auf Heilung, auf die spirituelle Überwindung des Leidens. (Den Transfer von fiktional auf real schafft dann jeder selbst.)


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