An der Macht stricken die, die ihr unterworfen sind. Täter und Opfer. Die Handelnden sind Behandelte, die Behandelten handeln. Macht ist ein System von oben und unten, einer Mitte und der Ränder. Macht ist Kybernetik und Kommunikation, Aktion und Reaktion. Macht beruht auf Machbarkeit, Machbarkeit ist Vorausetzung strategischen Handelns. Wer auf Macht verzichtet, stimmt seinem Behandeltwerden zu. Es sei denn, durch den Verzicht erhandelt sich der Verzichtende eine neue Machtoption. Welche Karten sind im Spiel, welcher Trumpf sticht? Darüber wird täglich neu verhandelt, daher die allgemeine und mitunter ansteckende Nervosität. Ich muß immer lächeln, wenn sie von „denen da oben“ reden. Als hätten „die da oben“ das Spiel im Griff. Das haben sie eben nicht, deshalb passiert einiges. Niemand hat irgend etwas im Griff, die Machtverhältnisse sind schwankend und die Gewißheiten trügerisch. Genau deshalb will der Spießer in Ruhe gelassen werden und zieht es vor zu jammern. Macht setzt auf Ohnmachtsanfälle. Wenn der Bürger Glück hat, beläßt es die Macht bei einer Opferzahlung von Geld und Daten. Tritt das Unglück ein, wird mit Blut und Leben gezahlt. Faszinierend sind Biederleute, die sich in den Treppenhäusern der Macht verlaufen haben und eines Tages feststellen müssen, daß sie Minister oder Kanzler geworden sind. Aus solchen Geschichten besteht die Bundesrepublik Deutschland, in der wir leben. Macht beruht auf Angst, das ist der Schlüssel.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.