Drei Punkte und dann ab in die Kiste

„Sonntagnachmittage können öde sein, können so ö-ö-öde sein“. Ich sehe Virgin River, eine kleine Netflix-Kitschserie über eine Arzthelferin, die in der Kleinstadt dieses Namens für ein Jahr leben und arbeiten will. Sie bezieht eine heruntergekommene Blockhütte und gerät dauernd an den Rand des Nervenzusammenbruchs, weil beispielsweise auf der Veranda eine Holzbohle morsch ist oder es in der Bar der Ortsansässigen keinen Cosmopolitan (Wodka, Cointreau, Limetten- und Cranberrysaft) gibt. Ich hasse dieses Haus, sagt sie. Aber wir Zuschauer wissen bereits, daß sie es lieben wird, nachdem sie sich den ganzen Blödsinn abgeschminkt hat, den sie mit sich trägt. (Anspruchsdenken, Dünkel, Verblendung. Sie ist kreuzunglücklich.) Die Blockhütte ist stinkgemütlich, aber das lernt sie noch. Da steht auch schon einer bereit, der mit ihr ins Bett will. Es ist der Besitzer der Bar, die keinen Orangenlikör hat. Die Serie beruht auf einer erfolgreichen Buchreihe, 19 Bände, in die Welt gesetzt von Robyn Carr, einer Bestsellerautorin. Hier der Kurztext für Lovely Books: „Von vorn anfangen, das wünscht sich Mel Monroe von ganzem Herzen! Nach dem Tod ihres Mannes kann sie das Leben in der Großstadt nicht mehr ertragen – es gibt zu viele Erinnerungen. Da kommt der Job im beschaulichen Virgin River gerade recht. Allerdings beginnt der Neuanfang mehr als holprig: mieses Wetter, das Haus eine Ruine. Schnell stellt Mel fest, dass das Landleben nicht so idyllisch ist wie gedacht. Doch der attraktive Barbesitzer Jack setzt alles daran, sie vom Gegenteil zu überzeugen …“ Ihren verstorbenen Mann haben wir bereits gesehen, in Weichzeichneraufnahmen – Fitneßstudiotyp mit Kurzhaarschnitt und konfektioniertem Charme, Kernbeißer, ebenso hübsch und langweilig wie unsere verstolperte Heldin. Mal schauen, wie lange ich das noch aushalte. Mit Klischees läßt sich viel Geld verdienen, denn die Wahrheit ist schmutzig und schmeichelt nicht.


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