Zeichen zeigen oder nicht

Im Film und im Buch muß alles etwas bedeuten. Bleibt ein Gegenstand auf dem Küchentisch liegen und wird eigens gezeigt, sollen wir uns merken, daß er dort versehentlich oder absichtlich liegen gelassen worden ist. Die Handlung kommt darauf zurück. Anders im wirklichen Leben, in der niemand für uns die Unterscheidung trifft zwischen wichtig und unwichtig (denn das wirkliche Leben hat keinen Autor, wie wir zu wissen meinen) – im wirklichen Leben wimmelt es von Blindmotiven und vermeintlichen Zeichen. Deshalb fällt es so leicht, ihm etwas anzudichten. Deshalb auch muß man auf der Hut sein, um nicht Zeichengläubigkeit und Obskurantismus zu bedienen. Obscuritas ist die Dunkelheit, das Unsichtbare und Unverständliche. Im Dunkeln läßt sich munkeln, und es wird eine Menge gemunkelt. Daß ich zeichenbedürftig bin, habe ich längst bemerkt. Daraus folgt nicht, daß ich zeichengläubig bin. Im Gegenteil, ich sehe dreimal hin und ein viertes und fünftes Mal hernach. Es wäre mir lieb und käme entgegen, wären die Einzelheiten des Lebens sinnvoll verbunden. Ich unterstelle es geradezu, wissend, es nicht beweisen zu können und übrigens auch nicht zu wollen. Soll doch jeder wandeln im Glanz einer schönen Einbildung oder nicht.


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