Damals hatte es stark geschneit, die Dunkelheit war eingebrochen, schon schneite es erneut. Da lief ich aus dem Haus über die verschneiten Felder hinauf zum Wald. Der Feldweg war nicht mehr zu erkennen, er war weiß und eins mit den angrenzenden Ackerflächen. Der Boden hartgefroren, Neuschnee knirschte unter den Sohlen der Stiefel. Ich kniff die Augen zusammen, damit die Schneeflocken nicht auf die Netzhaut trafen. Der Wind kam aus Nordost. Im Haus dort hinten (ich sah mich um und erkannte die Lichter) hatten sie sich unaufhörlich behakt und bekrittelt. Eine Familienangelegenheit, eine Tradition, immer pünktlich zum Heiligen Abend. Es muß schön sein und Liebe muß walten, alles perfekt sein usw. Solcher Anspruch strengte an, die Hausfrau verlor die Nerven, es war eine Pein. Wie begossene Pudel oder abgestrafte Grundschüler standen die tyrannisierten Familienleute herum oder beeilten sich, es ihr recht zu machen, sie zu besänftigen und auf diese Weise vielleicht zu trösten. Unheil lag über dem Fest der Liebe und der Familie, aber ich durfte ja hinaus, ich gehörte nicht dazu, noch nicht oder nur halb. Draußen dann dieses unendliche Weiß. Auch aus dem schwarzen Himmel kam Weiß, dicht und spürbar, kalte Geschosse. Als ich den Waldrand erreicht hatte, sah ich mich um. Vom Dorf war nichts mehr zu sehen, nicht einmal mehr die Lichter der Straßenlaternen. Ich dachte an Jack London und seine Alaskageschichten, aber ich wußte nicht wohin, besaß kein Ziel. Demnach kehrte ich um, langsam und gereinigt. Unten im Haus hatten sie mittlerweile auch Ruhe gefunden. Wo warst du? Draußen ist alles weiß, werde ich gesagt haben.
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