„Noch in den Siebzigerjahren haben viele westdeutsche Frauen vor allem die Arbeit im Haushalt erledigt und gingen keiner oder nur einer geringfügigen Erwerbsarbeit nach, das Einkommen des Mannes sorgte für das nötige Geld. Jedoch wurde das Modell aus Familienernährer und Hausfrau für die Wirtschaft deutlich zu teuer, weil in diesem aus dem Erwerbseinkommen einer Person alle Ausgaben der Familie bestritten werden mussten. Es musste also hoch genug sein. Gibt es zwei Erwerbstätige in der Familie, können deren Löhne durchaus niedriger sein – für die Unternehmen ist das ein klarer Vorteil. So setzte sich mit dem Neoliberalismus die Idee durch, dass alle Erwachsenen, Männer wie Frauen, für ihren eigenen Unterhalt sorgen sollten. Unbeantwortet bleibt aber bis heute die Frage, wer dann die Care-Arbeit erledigt. Die Gesellschaft hat keine Lösung für die Sorgearbeit. Stattdessen werden Frauen aufgefordert, Vollzeit berufstätig zu sein und gleichzeitig ihren Mutterpflichten nachzukommen. Ein Spagat, der nur zur Überforderung führen kann.“
Gabriele Winkler im Interview mit Juliane Frisse, Zeit Online, 6.3.2020
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