Gestern ist lange her

Die Sonne schien, Wärme von dort, obwohl ein Wind ging. Die Gärten liegen im Licht und sind bereit zur Frühjahrsbestellung. Gartenzaungespräch, ein Nachbar erklärte, warum die Koniferen schlecht sind für die anderen Pflanzen. Wenig Flugverkehr am Himmel. Sonst ist es laut von oben, alle zwei bis fünf Minuten startet eine Maschine vom Flughafen Tegel. Gestern nicht mehr. Während wir im Kleingarten saßen, bedächtig zwei Nachmittagssonnenuntergangsbiere tranken und die neue Lage besprachen, starteten vielleicht vier Maschinen und schraubten und ächzten sich in die Lüfte. Wind von Südost, Tegel liegt westwärts. Endlich waren wir durchgekühlt, schlossen die Fensterländen und verließen den Garten. – Von der Bunker- und Flakschützenstellung Humboldthain geht weit der Blick Richtung Nord bis Südwest. Theatralischer Sonnenuntergang, Trümmerberge in der Ferne. Die Charité weiter links, rechts unten leuchtend das Gesundbrunnen-Center. Auf den beiden Plattformen der ehemaligen Flak-Türme vorwiegend Teenager: als Liebespaar oder kurz davor, hoffend und bangend. Die Plateaus sind zur Tiefe hin umzäunt wie Bärenzwinger, unüberkletterbar. Später gab es Hühnersuppe für die Zuversicht. Da kam die Nachricht, daß auch die Restaurants, Kneipen und Bars geschlossen werden, und zwar ab sofort.


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