Wiesenchampignons

Im August schwingt sich der Sommer hoch hinaus, gerät an das Ende seines Vermögens und ermattet in unhaltbarer Schönheit. September übernimmt mit warmem Licht und der, seltsam genug, unerwarteten Kühle gewisser Nächte. Das Feuchte kehrt zurück, Morgennebel, Pilze. Unaussprechliche Melancholie. Wie ich es liebte, über unsere mit Stacheldraht eingezäunten Weiden zu gehen und nach Champignons zu suchen. Sie standen in Gruppen, erinnerten an weiße, runde Häuser für Zwerge, mit einem Dachüberstand bei Regen. Manche dieser Pilze waren handtellergroß, größer sogar, kuchentellergroß. Pilze suchen ist wie Jagen, nur daß es sammeln heißt. An manchen Champignons klebte die Kuhscheiße, mein Gott ja. In der Erinnerung verschmilzen alle Pilzsammelabende in ein einziges schwermütig stimmendes Bild kindlichen Ehrgeizes. Ich laufe in Gummistiefeln durch das nasse Gras und halte Ausschau. Die anderen suchen auch, einer meiner Brüder, unser Vater. Jetzt sehe ich die mattweißen Teller, stürme darauf zu und weiß, daß ich ein Glückspilz bin. Bevor wir nach Hause kommen, schütten wir unsere Beute zusammen. Wir freuen uns auf das Lob und die Anerkennung unserer Mutter. Schnell werden die Pilze geputzt, dann kommen sie in die große Pfanne mit Butter, erst später auch Salz. Dazu gibt es Röstebrot, getoastetes Graubrot, daß die Butter darauf schmilzt.


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