Ich sitze in der Bahn, schaue aus dem Fenster. Es wird Abend. Die Sonne macht schön, in ihrer Gunst steht alles Vorhandene. Bäume und Sträucher explodieren satt und grün. Vor mir sitzt ein Mann, SECIRTY steht auf seinem Rücken. Zeit nagt an allem. Viele tragen Mundschutz, gewöhnen sich ein. Ich schaue aus dem Fenster und registriere, wie die Traurigkeit mich sanft durchtränkt, als wär ich ein Tuch, das jemand in Blut oder Wein taucht. Ich überlege mir zwei- bis dreimal, ehe ich den Kopf wende, um nachzusehen, wer oder was in unregelmäßigen Abständen gegen die Rückenlehne des Sitzes, auf dem ich sitze, stößt. Nur ein Fahrrad, das einem Fahrradfahrer gehört, der Nachrichten liest. Unendlich wohltuend ist die Musik, die mich herausschneidet aus einer Situation, in der ich nicht sein möchte. Ich habe nichts dagegen, in einer Bahn zu sitzen und aus dem Fenster zu schauen, nichts gegen Abend, Sonne, Bäume, Sträucher, Sicherheitstypen. Ich bin auch nicht ungern traurig, die Traurigkeit vielmehr gewohnt. Aber diesmal lastet sie schwer, dumpf und stumpf und wahnwitzig ermüdend. Man kann sie nicht schlagen, niemand kann das. Auch Reggae kann das nicht, wie ich anschließend im Park der Tausenden erfahre. Die Sonne geht unter, das muß so sein. Ich mag nicht, wenn ich zu Fröhlichkeit animiert werde. Ich bin schon fröhlich genug. Es ist rührend, der Traurigkeit mit Reggae begegnen zu wollen. Da schämen sich doch beide.
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