Wer am Himmel, der größten Leinwand, die Wolkenformationen sieht, sollte nicht mehr vor abstrakter Malerei zurückschrecken. Das Auge sucht im Unbekannten nach dem Bekannten oder Formverwandten. Denn das Gehirn produziert unaufhörlich Sinn und läßt Sinn (das ist Wiedererkennen) durch die Sinnesleistungen bestätigen.
Zwar ist das am westlichen Himmel in Sonnenuntergangsbeleuchtung eine langgestreckte graubunte Wolke in Nordsüdausdehnung, doch erkennt mein Blick darin ohne großes Bemühen oder sondere Anstrengung einen Hund, der einem anderen in großen Sprüngen folgt. Mit dem anderen Hund nimmt es das Auge nicht so genau, es hängt an dem, der verfolgt.
Mittlerweile hat sich eine leichte Änderung ergeben: der verfolgende Hund ist noch Hund, doch das Verfolgte nunmehr ein fliegender, ausgefranster Teppich oder ein Land mit Grenzumrissen ähnlich wie die Türkei.
Weiter unten stehen Bäume, die bleiben Bäume, auch wenn die Wolken verschwunden sind. Diese Bäume überleben mich.
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