Gottesbeweis filmisch

Als könnten wir nicht gut genug sehen oder erkennen oder verstehen, führen uns Filme geschickt vor, worauf wir achten müßten (wenn wir nur könnten). Unsere Blicke werden gelenkt und gerichtet. Großaufnahmen helfen dabei, zweifelsfrei zu identifizieren: ein fehlender Zahn. Verweildauer gibt an, daß ein Gegenstand zum Beweisstück taugt: die Serviette mit Ankermotiv. Die Bildregie entscheidet über Handeln und Beobachten zugleich. Sie bestimmt sogar die Position des Betrachters, denn – ich wiederhole mich – wessen Auge ist die Kamera? Ich finde das unbefriedigend gelöst, niemand spricht darüber. Ist eben so, ein Voyeur offenbar, viele Voyeure, unbekannte Leute, Leute wie du und ich, die Allgemeinheit. Besser vielleicht, es gibt einen Erzähler. Aber der darf im Film nicht zu sehen sein, sonst haben wir neuerlich einen Erzähler, mithin eine Erzählung, die eine Erzählung erzählt. Diese Ungereimtheiten werden dem Film bis heute verziehen. Man begnügt sich mit der Platitüde, daß etwas gezeigt werden muß oder soll. Ist das so? Vermutlich ist Gott im Film untergekommen, weil ihn niemand woanders noch gebrauchen konnte. Seitdem fliegt er mit dem Projektil ins Hirn des Bösewichts und durch den nachgiebigen Schädel weiter ins Tarantino-Universum aus Mißbrauch und Blödsinn.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Gottesbeweis filmisch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert