Von oben nach unten

Wundersamer sich heilender Körper. Der Mülltonnendeckel schnellt herunter und trifft meine rechte Hand dort, wo Daumen und Zeigefinger sich in der Verlängerung zum Handrücken hin treffen. Der Mülltonnendeckel ist schwer, wenn auch aus Plastik. Sein Schließrand ist gerundet, zu meinem Glück. Sofort bildet die Stelle auf dem Handrücken einen schwarzen Streifen. Der ähnelt einem Guckloch in einem Bunker oder einem Balken auf den Augen eines Verdächtigen, ist aber nur zwei Zentimeter lang. Eine Schwellung entsteht um dieses Schwarz herum. Ich lasse kaltes Wasser darauf. Die Schwellung bleibt, nimmt aber nicht zu. Zwei Stunden später ist das Schwarz verschwunden, nur ein zartrotes Geflecht zerborstener Blutgefäße erinnert noch an den Stoß, flächenkleiner als eine 1-Cent-Münze. Was geschehen ist: Ich brachte meinen Restmüll zur schwarzen Großmülltonne im Innenhof. Manche dieser Rolltonnen besitzen einen Trittbügel, um den Deckel mit dem Fuß zu öffnen und zur Entleerung offen zu halten. Diese nicht. Ich verschob sie, um den schweren Deckel an die Hauswand lehnen zu können. Der Deckel lehnte. Dann fiel er zurück und traf meine rechte Hand. Ich sah ihm nicht dabei zu, ich spürte lediglich die Folge seines Falls. Es tat nicht sonderlich weh, aber es war was. Ich könnte stundenlang solches Zeug schreiben. Die kleinsten Vorkommnisse interessieren mich neuerdings.


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